Wenn du „Der Marsianer" von Andy Weir gelesen und beim Zuklappen jene eigentümliche Leere gespürt hast, die ein Buch hinterlässt, das einen zu gleichen Teilen lachen, leiden und lernen lässt – willkommen im Club. Wir sind viele. Und wir suchen seit Jahren nach etwas, das uns dasselbe Gefühl gibt.
Weirs Formel ist täuschend einfach: ein ganz normaler Kerl, gefangen in einer unmöglichen Lage, der Probleme mit Logik, Wissenschaft und einem Sinn für Humor löst, der wie eine kugelsichere Weste gegen die Verzweiflung wirkt. Mark Watney ist kein Actionheld; er ist ein Ingenieur mit einem Blog und dem festen Vorsatz, nicht zu sterben. Diese Kombination —Überleben + Humor + analytischer Verstand— macht süchtig.
Das Problem ist, dass die meisten Empfehlungen im Internet auf Englisch sind. Aber auf Spanisch? Gibt es etwas, das dieselbe Energie einfängt, geschrieben aus unserer Sensibilität, mit unserem eigenen Humor?
Ja. Das gibt es. Und es ist mehr, als du denkst.
Die Weir-Formel: wonach wir genau suchen
Bevor man Empfehlungen ausspricht, lohnt es sich zu bestimmen, was „Der Marsianer" so besonders macht. Es geht nicht nur ums Überleben. Es gibt Tausende von Überlebensromanen. Was Weir gelang, war die Kombination von vier Zutaten, die selten zusammen auftreten:
Ein technischer Protagonist. Kein Soldat, kein Abenteurer. Jemand, der wie ein Ingenieur, ein Programmierer, ein Wissenschaftler denkt. Der Probleme in Teile zerlegt und sie eines nach dem anderen mit dem löst, was gerade zur Hand ist.
Humor als Abwehrmechanismus. Kein erzwungener Humor, keine billigen Witze. Der trockene, ironische Humor, der gerade deshalb aufkommt, weil die Lage so schrecklich ist, dass Lachen die einzige Alternative zum Wahnsinn ist.
Technische Glaubwürdigkeit. Die Lösungen funktionieren. Die Wissenschaft ist echt oder zumindest plausibel. Der Leser lernt etwas, ohne es zu merken.
Ein mitreißendes Tempo. Das Gefühl, dass jedes Kapitel ein zu lösendes Problem ist, eine einzuhaltende Frist. Die Spannung kommt nicht von einem Schurken: Sie kommt aus der Physik, der Biologie oder der Thermodynamik.
Empfehlungen auf Spanisch
PIZZA, TWITTER y 23 días en el INFIERNO — José María Palazón Molina
Wenn dich an „Der Marsianer" ein ganz normaler Kerl gepackt hat, der der Natur mit Ingenieurslogik und schwarzem Humor begegnet, dann ist dies wahrscheinlich der spanischsprachige Roman, der diesem Erlebnis am nächsten kommt. Chema ist ein Programmierer Anfang vierzig, gestrandet in der Namib-Wüste, der sein Überleben mit dem Zynismus dessen dokumentiert, der weiß, dass ein Neustart des Routers diesmal nicht hilft. Die „Programmierer-Logik", angewandt aufs Überleben, ist das spanische Pendant zu Watneys „Botaniker-Logik".
Entdecke den Roman →„Los asquerosos" — Santiago Lorenzo
Keine Science-Fiction, aber ein Protagonist, der das Überleben in einem verlassenen Dorf mit derselben obsessiven Logik wie Watney meistert. Der Humor ist bissiger, spanischer, näher an einer schelmischen Sittenkomödie. Wo Watney Kartoffeln mit Dünger anbaute, baut Lorenzos Held ein Selbstversorgungssystem auf, das jeden Bushcraft-YouTuber vor Neid zum Weinen bringen würde.
„Der Astronaut" (Project Hail Mary) — Andy Weir (übersetzt)
Ja, Weir selbst zu empfehlen ist gemogelt, aber die spanische Übersetzung seines dritten Romans ist hervorragend, und viele Leser von „Der Marsianer" wissen gar nicht, dass es ihn gibt. Dieselbe Formel, größerer Anspruch: ein Naturwissenschaftslehrer erwacht allein auf einem Raumschiff, ohne sich zu erinnern, warum er dort ist. Der Humor ist reifer, die Wissenschaft ehrgeiziger, und es gibt eine Nebenfigur, die wohl der beste Außerirdische der jüngeren Literatur ist.
BLACKOUT EUROPA — José María Palazón Molina
Wenn du die technische Seite der Formel suchst —„ein unmögliches Problem mit Ingenieurskunst und unter Druck lösen"—, dann überträgt Blackout Europa diese Logik auf einen kontinentalen Cyberangriff. Elena Vega baut keine Kartoffeln an; sie entschlüsselt Schadcode mit einer Frist von 48 Stunden. Weniger Humor, mehr Adrenalin, aber dasselbe Vergnügen, einem technischen Verstand dabei zuzusehen, wie er sich dem Unmöglichen stellt.
Entdecke den Roman →„Intemperie" — Jesús Carrasco
Ohne Humor, ohne Wissenschaft, aber mit einem Überleben, das so schonungslos, und einer Prosa, die so präzise ist, dass Fans von McCarthys „Die Straße" ihn lieben werden. Im Ton ist er das genaue Gegenteil von Weir, doch er teilt die Besessenheit für die Details des täglichen Überlebens: das Wasser, der Schatten, der nächste Schritt.
Warum diese Formel so gut funktioniert
Ich glaube, der Erfolg von „Der Marsianer" —und der Romane, die seine DNA teilen— lässt sich auf etwas Einfaches zurückführen: wir sehen klugen Menschen gern beim Lösen von Problemen zu. Nicht mit Waffen, nicht mit Magie. Mit dem Kopf.
In einer Welt, in der die Schlagzeilen täglich apokalyptischer werden, liegt etwas zutiefst Tröstliches in einer Geschichte, die sagt: ja, alles ist den Bach runtergegangen, aber hier ist jemand, der sich hinsetzt, nachdenkt und eine Lösung findet. Auch wenn die Lösung unvollkommen ist, auch wenn der Humor das Einzige ist, was ihm bleibt, auch wenn das nächste Problem schlimmer ist als das letzte.
Das ist das Versprechen dieser Romane: nicht, dass alles gut ausgeht, sondern dass es sich zu versuchen lohnt. Möglichst mit einem guten Witz unterwegs.